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Dienstag, 7. Juni 2011

Xing überfordert User!

Das neue Xing! Vollmundig kündigten die Xing-Macher aus Hamburg schon vor Wochen das "neue Xing" an und verschickten Mitte Mai 2011 Informationen an die Gruppen-Moderatoren, um das "neue Xing" zu entdecken und nun das - die Xing-User sind überfordert. Zu unübersichtlich, zu facebookisiert lauten die häufigsten Kommentare
Dabei sollte das neue Xing zukünftig klarer strukturiert sein und ein zeitgemäßes „Look and Feel“ (Zitat: Xing Moderation) erhalten. Möglicherweise haben die Xing-Verantwortlichen sowohl Internetkompetenz wie -affinität ihrer User überschätzt, denn objektiv gesehen ist das neue Xing tatsächlich klarer strukturiert und Informationen schnell zu finden. Aber sobald die Zielgruppe die 30 überschreitet, reagiert sie digital wie im realen Leben: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!
Interessant zu sehen, dass gerade User, die vorgeblich tagtäglich beruflich in den neuen Medien unterwegs sind und ihre "Professionalität" gerne in diversen Gruppen kund tun, Schwierigkeiten mit der Navigation haben - da trennt sich offensichtlich die Spreu vom Weizen.Willkommen in der schönen neuen Xing-Altersheim-Welt!

(c) Daniela Röcker 2011

Freitag, 25. März 2011

Vor der Prüfung

Schönes Wetter. Die Sonne scheint und ich blinzle ein wenig. Auf der Bank neben mir emsiges Blätterrascheln und Buchblättern. Weiter hinten rollen ein paar Studenten lärmend einen Bollerwagen voller Bierkästen über den Campus-Innenhof. Seufzend blicke ich auf meine Notizen. Absolute Straftheorie. Hegelsche Negation der Negation.

„Dürfen wir mit Ihnen über die Mutter Gottes reden?“ Ich schaue hoch. Drei dunkelhaarige Mädel in braven schwarzen Hosenanzügen mustern mich abwartend. Zeugen Jehovas scheiden wohl aus, fährt es mir durch den Kopf, während ich nach einer Ausrede suche. „Ähm, lieber nein“, bringe ich unschlüssig raus. „Wir kommen aus Korea und studieren Theologie“, erklärt eines der Mädels und setzt hinzu „Wir möchten gerne über die Mutter Gottes sprechen“. „Das ist jetzt eher schlecht“, schüttle ich den Kopf, „ich hab‘ gleich Prüfung“ und bin dankbar über die wahrheitsgemäße Ausrede. „Dürfen wir später nochmal wiederkommen? Wir würden gerne über die Mutter Gottes sprechen!“ Hartnäckig sind sie ja, die drei. Das rechne ich ihnen hoch an. „Sorry, aber ich studiere nicht hier. Ich bin nur heute zur Prüfung da.“ Die drei nicken verstehend und starten noch einen Versuch „Glauben Sie an die Bibel und an die Mutter Gottes?“. „Nein“, sage ich endgültig und schüttle erneut den Kopf. „Oh, okay“, sagt die Wortführerin, dreht sich lächelnd um und entschwindet mit ihren beiden Komplizinnen.
Ein wenig irritiert blicke ich Ihnen nach. So einfach geht das? Keine Überzeugungsarbeit? Innerlich schelte ich mich. Warum hast Du die Gelegenheit nicht genutzt? Hast Ihnen erklärt, dass die Bibel ein schlimmeres Plagiat ist, als alle gesammelten Plagiate der Literaturgeschichte zusammen? Dass sie aus Dutzenden Geschichten und Mythen zusammengeklaubt und je nach Gusto verändert wurde? Dass die Mutter Gottes nur noch ein Rudiment ihres eigentlichen Ursprungs ist, der Großen Göttin nämlich? Warum haust du Ihnen nicht um die Ohren, dass vor ca. 7000 Jahren Menschen nicht an einen Gottvater, sondern an Mutter Natur mit all ihren Vor- und Nachteilen glaubten und die Diskriminierung alles Weiblichen so unvorstellbar abwegig war, als wenn man heute erführe, dass der Papst glücklicher vierfacher Vater und mit einem Homosexuellen verheiratet wäre? Fragst sie, warum Theologen Menschen auf ein Leben nach dem Tod vertrösten, anstatt ihnen zu bestätigen, dass irdisches Leben unmittelbares Erleben und somit höchste Erfüllung bedeuten kann? Warum nach ihrer These erst jemand, ein Mann, sterben musste, um die Menschheit von allen Sünden zu erlösen? Und welche Hybris die Theologie ritt, den Begriff Sünde zu definieren und danach zu bewerten? Warum hast Du, verdammt nochmal, nicht diskutiert? Generalpräventive Theorie Feuerbachs, Hegelsche Negation, Kategorischer Imperativ nach Kant. Scheiß Prüfung!

(c) Daniela Röcker 2011

Montag, 7. März 2011

Xing als Plattform für NPD-Mitglieder?

Ohne "Social Media" geht derzeit nichts mehr. Wer nicht "drin" ist, ist "draußen". Ob privat oder kommerziell – jede Darstellungsform ergibt mutmaßlich eine Vielzahl an Multiplikatoren. Der Betreiber von Deutschlands größtem Business-Netzwerk, die Xing AG aus Hamburg, erreichte nach eigenen Angaben bereits Mitte September 2010 die Marke von 10 Millionen registrierten Mitgliedern. Berufstätige aller Branchen vernetzen sich auf Xing und tauschen sich online in über 45.000 Fachgruppen aus oder treffen sich persönlich auf Xing Events.

Eine dieser Fachgruppen widmet sich dem Interessenschwerpunkt „Politik“. Nun möchte man annehmen, dass sich dort in lockerer Runde über demokratische Prinzipien und Werte diskutieren lasse. Bei rund 10.000 Mitgliedern in der Politik-Gruppe sollte dies auch problemlos machbar sein. Jedoch mutet es fast grotesk an, dass auf der einen Seite bundesweit Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gehen, in dieser Gruppe dagegen dem Beitrittsgesuch eines NPD-Mitglieds stattgegeben wird und sich dieses fröhlich parlierend äußert und Feedback bekommt. Nun mag man trefflich darüber streiten, wie in einer Demokratie eine rechtsextreme Orientierung, wie die NPD sie vertritt, zu werten ist und ob die Xing AG sich als „social network“ eindeutig gegen rechts positionieren sollte.

Es ist dennoch zu hinterfragen, was einen NPDler dazu bewegt, sich in einem sozialen Netzwerk anzumelden, welches sich perfekt auf dem Parkett der Globalisierung bewegt und diese minutiös forciert. Entweder hat der gute Mann da etwas falsch verstanden oder die NPD ist über Nacht zum Fremden- und Globalisierungsfreund geworden. Es könnte natürlich auch sein, dass der alte Mann auf seine alten Tage ein paar Newbies rekrutieren möchte, ein Schelm, wer Böses dabei denkt, müsste er doch bei der Kontaktaufnahme damit rechnen, auf Menschen mit Migrationshintergrund oder gar auf Nicht-Deutsche zu treffen. Ob das gewollt ist? Möglicherweise dachten sich die Moderatoren der Politik-Gruppe, „jeder Jeck ist anders, der wird sich schon selbst ins Aus schießen“. Wenn dem so wäre, ist die Rechnung aufgegangen. Karnevalssitzungen sind was für senile Bettflüchtige und an beidem – Sitzungen und Flüchtigen – scheint es in der NPD nicht zu mangeln.

http://www.xing.com/net/politik
http://www.xing.com/net/politik/vorstellungsgesprach-4136/
http://de.wikipedia.org/wiki/Per_Lennart_Aae

ERGÄNZUNG: Mit Datum vom 08.03.10 informierte mich Klaus Wiesmüller, Mitmoderator der Politik-Gruppe und Xing Community Manager, darüber, dass die Gruppenmitgliedschaft des NPD-Mitgliedes am 04.03.10 nach Bekanntwerden des rechtsradikalen Hintergrundes beendet wurde. Fluch und Segen der Xing-Technik: nach wie vor ist der Vorstellungsthread des Herrn abrufbar und es darf darüber gelacht werden. Herzlichen Dank für die eindeutige Position von Xing und der Politik-Gruppe.


(c) Daniela Röcker 2011

Donnerstag, 24. Februar 2011

Dankesrede an Herrn von und zu

Sehr geehrter Herr von und zu,

ich möchte Ihnen ganz herzlich im Namen meines Mannes für Ihre Botschaft an alle Doktoranden danken. Ähnlich wie Sie, hatte auch er es ist nicht leicht als junger Familienvater, der darüber wachen musste, dass ich mich täglich 24 Stunden um den Nachwuchs kümmerte. Gleichzeitig musste er an seiner kapitalistischen Karriere arbeiten, seine summa-cum-laude-Doktorarbeit bauen und sich dabei zum Schleimpilz der Uni machen.
Ich gebe zu, auch ich habe seine Fähigkeit, alles unter einen Hut zu bekommen, völlig überschätzt. Allerdings gehört das Sich-selbst-überschätzen bei High Potentials zum guten Ton. Daher hat auch er Blödsinn gemacht und wegen Überlastung der Finger beim monotonen Copy-und-Pasten, die Verfassung seiner Dissertation mir, seiner stillenden Frau, überlassen. Leider beherrsche ich die Funktion des Fußnoteneinfügens in Word nicht. Das wusste mein Mann jedoch nicht, daher kann ihm keine bewusste Täuschung unterstellt werden.
Dennoch hatte ich nach ihrem Outing Zweifel für den Fall, dass sein Arbeitgeber diesen Bagatellfehler entdecken könnte.
Diese Position – er ist persönlicher Assistent der Assistentin irgendeines Vorstandes und darf in dieser Funktion selbstständig Kaffee kochen und unabhängig Plätzchen bei Sitzungen reichen – hat er sich hart erarbeitet und konnte sich gegen zwei Mitbewerber, einen burnoutbehafteten Coaching-Fuzzi und eine schwangere Primarstufenlehrerin, aufgrund seines Doktortitels behaupten. Manche Leute mögen das als unlauteren Wettbewerb verstehen, ich aber sage: „ätschi-bätschi“.

Herr von und zu, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie an ihrem Amt trotz aberkannter Doktorwürde festhalten, Sie machen damit unzähligen Doktoranden Hoffnung, denn sie wissen nun: Urheberrechtsverletzung und Betrug kosten mich zwar den Titel, aber nach dem fragt später keiner, wenn ich Kaffee kochen kann.
Vielen Dank auch im Namen meiner frühgeförderten Kinder.

In diesem Sinne, „Hells Bells“!

(c) Daniela Röcker 2011

Montag, 14. Februar 2011

Valentinstag

Wie gut, dass es Karstadt gibt. Sonst wäre ich womöglich weiterhin dem völlig veralteten Irrtum aufgesessen, dass man am Valentinstag immer Blumen verschenken muss. Aber nein, der frisch sanierte Konzern Karstadt, der jüngst seinen Vorstand mit Doris Schröder-Köpf frauenförderlich dekorierte, erklärt mir mittels buntem Verkaufsblättchen als Morgengabe zur Tageszeitung, wie der perfekte Valentinstag auszusehen hat.

Auf der Startseite steckt ein mutmaßlich verliebtes und heterosexuelles Pärchen lächelnd die Köpfe zusammen. Die Headline lässt erahnen, dass die beiden offensichtlich mehr über den Valentinstag wissen als ich und dann geht es auch schon los:
„8:30 Uhr Ausschlafen“ heißt es dann folgerichtig für den Start in einen perfekten Tag und ich sehe die beiden Schönen von der Startseite schlafend in trauter, überaus asexueller, hygienischer Löffelchenstellung in bügelfreier Seersucker-Bettwäsche in frischen, frühlingshaften Farben. „Will ich auch!“, seufze ich innerlich und Karstadt macht mir die Entscheidung zur Anschaffung von Herz- und Häkelkissen, Taft-Kissenhüllen und Microfaser-Flauschdecken leicht, denn alle Produkte auf der Seite sind preisreduziert. Mit Schnäppchen am Valentinstag aufzuwachen, bringt das gemeine Krämerseelenherz in Verzückung!

Um 9:15 Uhr steht Frühstück auf dem Programm und die beiden beginnen dieses mit Sekt, kleinen Herzkuchen und Turteltaubenbechern. Außerdem kann ich mit einer Schablone den Schriftzug „Love“ in den Milchschaum sieben. Haben Sie das schon einmal probiert? Sollten Sie das unfallfrei hinbekommen, wäre ich Ihnen dankbar für Hilfestellung. Bei meinen kläglichen Versuchen, hustete ich nach der Anwendung Kakaostaub und der Schriftzug sah aus wie die sinkende Titanic. Um 10:33 Uhr sieht man sie, die holde Schöne, wellnessen und Körper und Seele mit Raumdüften und Walk-Frottier-Handtüchern zum regulären Preis beglücken. Knappe anderthalb Stunden nach dem Wellness-Ausflug wirft sie sich um 11:50 Uhr in reizende Wäsche, wobei reizend laut Duden u.a. mit „anziehend“ definiert wird, was man von der Dame im Bild bei allem Wohlwollen nur rudimentär behaupten kann.

Sollte mir der „perfekte Valentinstag“ bis zu diesem Zeitpunkt des Tages durchaus noch genehm gewesen sein, so ist dies spätesten um zehn vor zwölf vorbei. Wohin ist erstens der Typ Marke „Businesskasper“ nach dem Frühstück verschwunden? Aufs Klo zur Dauersitzung, zum Valentinsfrühschoppen, zum Daddeln auf die Wohnzimmercouch? Warum wirft die Dame des Hauses sich um diese Zeit in unbequeme Reizwäsche, o.k. in die erotikferne mit den kleinen Streublümchen, aber egal, und warum zieht sie dazu weiße, halterlose Strümpfe an? Blättern wir schnell weiter. 12:20 Uhr Gut Aussehen. Sie schminkt sich die Lippen. Der sensationslüsterne Investigateur in mir würde nun schon gerne wissen, was in diesen anderthalb Stunden passiert ist. Nun gut, die Zeit rennt und um 13:05 Uhr steht „An ihn denken“ auf dem Programm. Ha, hab‘ ich es doch gewusst. Die Reizwäsche um zehn vor zwölf war nicht für den Typen der Schönen gedacht, sondern für einen oder eine andere. Schön, gefällt mir, dass Karstadt ein so offenes Beziehungsgefüge befürwortet.

Schade, dass dieser Eindruck um exakt 14:18 Uhr zunichte gemacht wird: Dekorieren. Himmelhergottnochmal! Wir waren doch schon bei der offenen Beziehung, wieso denn jetzt die Vollbremsung und das Aufhübschen des trauten Heimes? Doch es geht noch besser, denn jetzt folgt Schlag auf Schlag der Countdown, der jeder Feministin und jedem Feministen das Blut in den Adern gefrieren lässt: 15:40 Uhr Outfit planen, 16:22 Uhr Anprobe, 17:30 Uhr ihn sprachlos machen. Oha, die Bedienung des Weibchenklischees par excellence und zur Belohnung gibt es ab 19:37 Uhr (warum eigentlich so eine ungerade Uhrzeit?) Zweisamkeit! Das versteht sogar mein wutschnaubendes Ich, denn am Valentinstag, dem Feiertag der Liebenden – ja, da darf Zweisamkeit nicht fehlen. Allerdings hat die schöne Blonde diesen Tag doch hauptsächlich alleine verbracht. Ich bin verwirrt.

Um 21:30 Uhr heißt es: danke schön! Würden auf der Seite nicht etliche glitzernde Geschmeide angeboten, wäre ich jetzt unsicher, wem das Dankeschön gilt. Da ich aber der Kausalität und dem Klischee folgend, davon ausgehe, dass der Schönling und sein Blondchen die Zeit zwischen 19:37 Uhr und 21:30 Uhr zum Blümchensex in der frisch-frommen Bettwäsche genutzt haben, kann ich das Angebot zielgruppengerecht interpretieren. Nein, ich werde keine Überlegungen anstellen, dass er ihr das Geschmeide als Entschuldigung für aushäusige, sexuelle Entgleisungen schenkt, denn die beiden haben eine offene, sexuelle Beziehung, wie wir seit 11.50 Uhr wissen. Nun kommt es aber zum Ausklang des perfekten Tages – 22:25 Uhr Herzklopfen.

Das Herzklopfen besteht in diesem Fall aus Digitalkamera, iPod nano, Nintendo und ja, Sie ahnen es: DVDs. DVDs mit emotionalem wie intellektuellem Tiefgang à „Schokolade zum Frühstück“, „Sex and the City“ oder „Doris-Day-Special“. Dieser Aspekt des wunderbar perfekten Valentinstages kommt fast wirklichkeitsnah daher. Herzlichen Glückwunsch, Herr Karstadt! Mutti verbringt den Tag über mit Hornhautpflege, Shoppen und Aufhübschen, serviert Häppchen, wenn der Herr des Hauses auftaucht, springt auftragsgemäß mit ihm in die Federn und taucht von dort, möglicherweise gelangweilt, spätabends wieder auf und wirft entspannt einen typischen, dummdämlichen Mädelsfilm ein. Fast möchte man Mitleid mit dem Businesskasper haben, aber wir erfahren nicht, ob er zum Mitschmachten verdammt wird.

Mit dem finalen Ausklang des perfekten Valentinstages lässt uns die Firma Karstadt jedoch im Regen stehen: ab 23:00 Uhr sehen wir die beiden tanzend - ohne Headline. Drei verheißungsvolle Punkte bilden den krönenden Abschluss des Tages. Werden die beiden volltrunken ob des Konsums billigen Schaumweins in die nur leicht beschmutzte Bettwäsche fallen und selig verliebt im Löffelchen einschlafen? Wird sie sich mit einer zweiten Runde Sex für den grottenschlechten Film, das verbrannte Abendessen und das, zum Shoppen verbratene, Haushaltsgeld entschuldigen müssen? Oder werden die beiden sich nächtens trennen, um schmutzigen, schweißtreibenden Sex außerhalb des allerliebst dekorierten Heimes, gefälliger Blümchenreizwäsche und klischeehaften Vorstellungen zu haben?
Eines habe ich nun aber endgültig kapiert: mit Blumen hat der Valentinstag nix zu tun.

(c) Daniela Röcker 2011

Dienstag, 1. Februar 2011

Kommt da 'n Komma?

Die Erkenntnis ist nicht neu, wird aber immer wieder bestätigt: das Erlernen der deutschen Sprache macht keinen Spaß. Nicht nur, dass Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, eine Vielzahl von grammatischen und orthografischen Regeln um die Ohren gehauen wird, nein, es gibt auch zu jeder Regel eine Ausnahme. Und auf jede Ausnahme folgt eine Regel oder bestätigt diese.

Ist man als deutscher Muttersprachler froh, diese Sprache nicht als Fremdsprache erlernen zu müssen und wähnt sich in mütterlicher Obhut und Sicherheit, so platzt sowohl Fruchtblase als auch Airbag nicht erst bei der Frage "Groß oder klein?". Nicht an einen Dreijährigen, sondern an ein ausgewachsenes, menschliches, der deutschen Sprache halbwegs mächtiges Individuum gerichtet, kann diese Frage unter Umständen eine grammatikalische Gonorrhoe auslösen, wenn es an der Präposition mangelt.

Selbst derjenige, der häufig bis regelmäßig in die Tiefen der deutschen Sprache abtaucht, braucht einen langen Atem, insbesondere, wenn es um die Kommasetzung geht. Der kleine Beistrich wird grundsätzlich als Trennmittel verwendet, z.B. um Haupt- und Nebensätze voneinander zu trennen. Weiterhin ist er verantwortlich für die Scheidung von Aufzählungen, bei Auslassungssätzen, bei Infinitiven, bei Appositionen, bei Interjektionen, bei Parenthesen und vielleicht gar bei Paradonthose oder bei Karius und Baktus.

Was dem Logiker in diesem sensitiven Bereich Zahnschmerzen bereitet, ist unter anderem folgende Regel: "Wenn ein Nebensatz gemeinsam mit einer Wortgruppe mit Präposition auftritt, wird nur dann ein Komma zwischen Haupt- und Nebensatz gesetzt, wenn der Nebensatz direkt neben dem Hauptsatz steht." (Zitat aus: Pons, Perfektes Deutsch). Beispiel gefällig? "Es besteht höchste Unfallgefahr, wenn der Schnee taut oder bei Schneefall." (Zitat aus: Pons, Perfektes Deutsch).
Drängt es den sprachlichen Rebellen nun, die Wortgruppe (oder bei Schneefall) mit dem Nebensatz (wenn der Schnee taut) neckisch zu vertauschen, verschwindet das Komma.
Gar nicht regelkonform möchte man dem papiernen Tiger just in diesem Moment den letzten Zahn ziehen und ihm wutschnaubend zurufen: "Völlig egal, wo Du stehst, dann streu' halt, Du Idiot!"

(c) Daniela Röcker 2011

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Na dann, frohe Weihnachten!


„Gabriel, ich hab’s satt“. Der Herr wackelte mit dem Kopf und stützte eine Hand auf der Sessellehne ab. Draußen vor der Türe war lautes Lamentieren und Streiten zu hören. „Jedes Jahr das gleiche. Nie sind die sich einig, immer diese Streiterei!“
„Ei, Herr“ antwortete Gabriel „was könnet mer denn von die 400 Euro-Kräfte verlange? Sonsch müsste mer scho ebbes mehr uslege on des gibt dr Etat net her.“ „Ja, ja ich weiss schon, die Sparmaßnahmen“, meckerte der Herr und brüllte laut „Schluss jetzt, ihr beiden. Los alle beide zu mir. Antreten!!!“

Die beiden Streithähne vor der Tür hielten inne und wandten sich gesenkten Hauptes ihrem Chef zu. Das goldene Haar des Christkindes war zerwühlt und struppig, das weiße Kleidchen am Saum abgewetzt und eingerissen. Trotzig sah es den Herrn an.
„Herr, ich will Gleichberechtigung. Immer muß ich in dem gleichen Fummel `rumrennen. Und der Dicke hier bekommt jedes Jahr ein neues rotes Kostüm von Coca Cola.“

„Mei, Madel“, plusterte der Weihnachtsmann sich auf, „i kann a nix dafür, dass dei Pablik Reläschens net so gut is wie die meine. Außerdem hob i halt im letzten Johr a bissel zu`gnomme. Dös alde hat halt net mer g’passt.“ „Ph“, machte das Christkind und verschränkte die dünnen Ärmchen vor der Brust „ich könnt `nen Vertrag mit Prada haben, wenn ich wollte. Dann müsste ich nicht dieses weite, unmoderne Teil tragen, darf keinen Arsch, keine Titten und kein Bein zeigen. Wo sind wir denn hier?“
„I hob g`nau gesehen, wia Du beim Williams Robbie im Wohnzimmer den Rock hochg`hoben hast“, petzte der Weihnachtsmann und schnaubte geräuschvoll durch die Nase.
„Ich hatte eiskalte Füße, Du Schwimmbux“ motzte das christliche Kindchen böse, „und wollte mich am Kamin ein bisschen aufwärmen. Ich hab’ schließlich keine dicken, warmen Stiefel. Seit Jahren schleppe ich die Geschenke ganz alleine ohne Hilfe in die Häuser, während Du einen ganzen Hofstaat an Helfern hast.“
„Dafür host a Top-Figur, Dirndll“, grinste der Weihnachtsmann unverschämt, „außerdem is es a net angenehm, dös ganze Johr in oaner WG mit Zwergen, Elfen und Rentiere z`hausen.“
„In einer WG?“ das Christkind ereiferte sich vollends und seine Stimme überschlug sich, „Eine WG nennst Du dieses komfortable Einfamilienhaus in wunderschöner naturbelassener Lage? Mit offenem Kamin, gemütlichem Sofa, genug zu trinken im Kühlschrank und Deine Zwerge kochen Dir was Du willst. Ich hab’ nur `ne zugige, mitnichten weiche, Wolke, eine lausige Postfachadresse, muss meine Plätzchen selbst backen und die Engel zicken auch immer `rum.“

„Ja Kruzitürken, spinnertes Weib….“ hob der Weihnachtsmann wieder an, aber der Herr unterbrach ihn. „Stoooop, es reicht ihr beiden“, polterte der Herr, „ich hab’ Euch eingestellt, damit ihr den Menschen Freude bringt und Wünsche erfüllt. Meine Kirchen sind leer und ich bin auf gute Publicity angewiesen. Seht Euren Job gefälligst mal positiv. Ihr habt das ganze Jahr Urlaub und müsst nur am Heiligabend ein paar Stunden malochen. Jeder Erdenbürger würde sich nach so einer Arbeitszeit sehnen. Ihr habt keine mobbenden Kollegen, die Euch den Platz streitig machen und keine Kunden, die sich beschweren. Zur Not könnt ihr Fehler bei den Geschenken auf die Eltern abwälzen. Ihr habt Betriebswohnungen, für die ihr keinen Cent Miete zahlt und die Berufskleidung bekommt ihr auch noch gestellt.“

„Und was ist mit der Arbeitssicherheit?“, wagte das Christkind einzuwenden, „die Berufsgenossenschaft hätte sicher was dagegen, wenn ich so ungesichert einen Berg Pakete schleppe.“ „Gut“, entgegnete der Herr entnervt, „dann sorge ich nächstes Jahr dafür, dass Du einen Schutzhelm und Sicherheitsstiefel mit Stahlkappe bekommst. Aber mehr kann ich wirklich nicht tun. Meine Mittel sind erschöpft.“

„Chrchr“ machte der Weihnachtsmann, der in der Zwischenzeit unbemerkt eingeschlafen war. „Pst, Herr“, flüsterte das Christkind, „kann ich nicht doch mal bei Prada nachfragen? Vielleicht würden die ja sponsorn…“ Der Herr dachte „sach ma nix“ in seiner Heimatsprache, in der er sich nie laut äußern durfte, und wandte sich resigniert ab.


(c) Daniela Röcker 2010

Montag, 19. April 2010

SiXX - HühnerTV?!


"Alles, was Frauen interessiert" will Katja Hofen-Best, die Chefin des neuen Frauensenders der ProSiebenSAT1-Gruppe, mit dem neuen Frauenformat "SiXX" ab 07. Mai 2010 in die digitale Fernsehwelt katapultieren.
Man möge verzeihen, dass die Autorin dieser Zeilen an der Umsetzung des Ziels, in einem einzigen Sender alles erfassen zu wollen, was die Gesamtheit aller ausstrahlenden Sender nicht einmal ansatzweise schafft, leise bis brüllaffenlaute Zweifel hegt.

Auch der Hinweis des Senders, dass das Doppel-XX im Namen das weibliche Chromosom darstelle, man aber nicht beabsichtige, die potentielle Zuschauerin mit Wissenschaft in Berührung zu bringen, läßt eine latent vorhandene Erwartungshaltung gegen Null tendieren.Blocksatz
Bei näherem Hinsehen scheint die Zielgerade dann doch nicht so weit entfernt, denn Frau Hofen-Best hat sich auf die Zielgruppe der 19- bis 39-jährigen Fernsehenden beschränkt. Die wird nun mit einem frühlingshaften, unisexen Grün im Logo, welches stark an das Logo eines Billigschmuckherstellers erinnert, zum Verweilen verführt. Vorausgesetzt, sie findet den richtigen Knopf auf der Fernbedienung.

Denn, dass die Macher der Imagekampagne ein sprechendes Huhn als Trägermotiv wählten, könnte man schmunzelnd fast als plumpe Ironie gelten lassen.
Sogar ein verständnisvolles Lächeln drängt sich ob der geistig uneleganten, möglicherweise männlich erdachten, Parallele zwischen Huhn und potentieller Zuschauerin auf, wenn das Hühnchen fast hilflos, leise fluchend auf der Fernbedienung herumpickt.

Da Frau Hofen-Best bisher für die Programmgestaltung des Männersenders DMax verantwortlich zeichnete, darf es jedoch nicht verwundern, dass auch für dieses Format bereits eingangs mehr als ausgetretene Klischees bedient werden. Ob dies sinnvoll ist, sei dahingestellt.

Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es nichts wirklich Einschaltenswertes oder Aufregendes beim neuen Sender, der sich gar einen feministischen Hauch leistet und als "Senderin" betitelt.
"Männerfernsehen ist relativ simpel - Frauen hingegen sind um einiges anspruchsvoller", sagt die Programmchefin.
Ein Blick in die Programmübersicht von SiXX bestätigt ihre Aussage folgerichtig: Serien, Serien und nochmal Serien! Eine Prise Reise, eine Handvoll Stars und Sternchen, Teleshopping.

Ich bin begeistert! Das ist es also, was die Frau zwischen 19 und 39 Lenzen sehen möchte. Fantastisch! Liebe, Leidenschaft, Tratsch und Shopping! So einfach ist das! Und ich dachte tatsächlich, Frau würde sehen wollen, welche Schuhe am besten geeignet sind, um morgens ab 8 Uhr als erste die Sonderangebote bei Aldi, Lidl und Co. zu ergattern.

Oder, ich traue mich gar nicht es auszusprechen, dass sie womöglich intellektuell ansprechende Beiträge zu Kultur, Politik oder gar Wissenschaft sehen möchte. Sich über wirkliche Gesundheit informieren und nicht dem Jugendkult anheim fallen wolle. Oder sich unter Umständen für die Religion und Geschichte anderer Länder interessiere und nicht nur für die Ausstattung der vier landesbesten 5-Sterne-Hotels in lagunenähnlicher Poollandschaft.
Und dass es sie überhaupt nicht interessiert, warum ein drittklassiges Sternchen gerade seinen 7. Ehemann verlassen hat und es von eher nachrangiger Bedeutung ist, in welcher der zahlreichen stereotypen Serien, die Hauptdarstellerin sich am Ende doch noch von ihren astralkörperbehafteten Traumprinzen schwängern läßt.

Ein wenig misstrauisch macht mich jedoch das Interview, welches im Vorfeld auf einer Schuhmesse (!!) geführt wurde und klären sollte, was Frauen sehen wollen. Die Mehrheit der befragten Frauen gehörte zum äußersten Rand der Zielgruppe oder lagen wenig darüber. Unbeachtet der Tatsache, dass man ein solches Interview nach Gutdünken und Anspruch des Auftraggebers so zusammenschneiden kann, wie es gerade beliebt, fragt man sich, warum nicht Wert auf ein ausgewogenes und dementsprechend aussagefähigeres Mischungsverhältnis der Zielgruppe gelegt wurde. Gaben einige Zielgruppentrefferinnen vielleicht Antworten wie: "Ey, Alder, Frauenfernsehen, son Scheiß' kuck isch nisch" oder "Sollten Sie mich zu einer klischeehaften Antwort wie 'Mode' nötigen wollen, hänge ich Ihnen ein Anklage wegen Verleumdung an den Hals"?

Nun, sei's drum. Offensichtlich habe ich mich in den Fernsehvorlieben der Zielgruppe getäuscht und Frau Hofen-Best hat Unrecht:
Frauenfernsehen in der potentiellen Zielgruppe ist ebenso simpel wie Männerfernsehen - Klischees bedienen, konsumieren und Mund halten. Wer nicht dazugehört, benutzt die Fernbedienung.

Fazit: Fernsehen für erwachsene Lillifeen, die zu blöd zum Umschalten sind.


(c) Daniela Röcker, 2010

Freitag, 9. April 2010

Mist, ich bin keine Jude!

Ich bin kein Jude, weder von Geburt an noch konvertiert. Schade eigentlich! Niemand nennt mich Schlomo, Golda oder Rafik. Meine Eltern beglückten mich mit einem typischen Mädchennamen der 1968er Jahre: "Daniela". Nicht ganz so schlimm wie "Sandra" oder "Silke", aber auch nicht besser als "Michaela" oder "Manuela". Bei der üblichen Abkürzung "Dani", weil niemand Lust hat, einen viersilbigen Namen auszusprechen, muss man regelmäßig erklären, dass man nicht "der kleine Daniel" ist.
Kein Blitzen in den Augen des Gegenübers, kein "Aha", kein Fragen, kein wissendes Kopfnicken, wenn der Name "Daniela" genannt wird. Im besten Fall rudimentär nach oben gezogene Mundwinkel, meistens aber keine Reaktion.

Mit meiner Religion kann ich auch nicht punkten, keine sauren Brotlaiber, nächtliche Seancen, Selbstmordattentäter oder blutige Rituale. Nur Schokonikoläuse, wegen Trunkenheit zurückgetretene Bischöfinnen und Männer, die Kult mit ihren unterdrückten Trieben treiben. Ich esse gewöhnlich, oft kleines, in sich verschlungenes Laugengebäck. Weder koscher noch vegan. Keine Sterneküche, kein Molekularkochen.

Jüdischen Humor habe ich nicht, obwohl ich sehr darüber lachen kann. Ich bin kein Schwabe, sonst könnte ich wenigstens kein Hochdeutsch und wäre überall. Ein Hoch auf das Klischee! Mir fehlt die Gelassenheit eines Dalaih Lamas und die Chuzpe der roten Zora. Bei schlechter Musik geht es mir schlecht.

Leider kann ich auch nicht mit einer kollektiven, schrecklichen Vergangenheit aufwarten. Meine Vorfahren wurden möglicherweise vertrieben, aber daran kann sich niemand mehr erinnern. Vielleicht trugen sie viersilbige Vornamen. Allerdings wurden sie weder vergast noch in Arbeitslager gesteckt. Nicht als Gelbfüßler oder Ossis verunglimpft und auch nicht an ein Kreuz genagelt. Kennt zufällig jemand die Holzsorte der damals handelsüblichen Kreuze?

Niemand fragt mich, wie ich das Trauma meiner Kindheit trotz Quench, TriTop und Barbapapa überstanden habe und ob ich meine Erinnerungen nicht in einem Buch, Film oder künstlerischer Installation verarbeiten möchte.

Die Erkenntnis ist bitter, ich bin mainstream. Aber ich hab' am 11.11. Geburtstag und bin am Niederrhein aufgewachsen. Reicht das vielleicht?

(c) Daniela Röcker 2010

Sonntag, 14. Februar 2010

Abgeschrieben! Und nun?



So! Die Helene hat abgeschrieben! Abgeschrieben, abgekupfert und geklaut, verwertet und als eigenes Gedankengut ausgegeben. So etwas macht man doch nicht, schreit der Gutmensch. So etwas macht man sehr wohl, entgegnet die eigene Stimme und erinnert sich an eine Klausur in grauer Vorberufszeit, auf die man sich nicht vorbereitet hatte, weil am Abend vorher der Telefontratsch mit der besten Freundin einfach wichtiger war.
Dummerweise hatte man sich zwar aufs Abschreiben vorbereitet, jedoch die Taktik und Durchführung nicht konsequent durchgeplant. Das Ergebnis, ein lapidares „Ungültig, sechs!“ des aufgebrachten Lehrkörpers, war nur folgerichtig und nicht abzuwenden. Die coole Erwiderung, dass, wenn die Arbeit „ungültig“ wäre, man sie eigentlich nicht mit einer Wertung belegen könnte, machte das Desaster nicht besser.

Nun, möglicherweise ist Fräulein Hegemann noch nie beim Abschreiben erwischt worden und kannte dieses ohnmächtige Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit nicht, wenn man die Gewalt über sein Handeln an einen Fremden verliert. Vielleicht fehlt ihr als Kind der Copy-and-Paste-Generation aber auch das Bewusstsein, dass es als unredlich gilt, sich mit fremden Federn zu schmücken, egal aus welchem Federkleid man sie zupft.

Andererseits hat man auch nie die Verfasser des Neuen Testamentes als Plagiatoren an den Pranger, wenn es ihn damals denn schon gegeben hätte, gestellt oder gar verdammt. Niemand zweifelt die Originalität der Geschichte des jüdischen Zimmermannes aus Nazareth an, obwohl es nachweisbare Beispiele für höchst ähnliche Geschichten in vorchristlicher Zeit gibt.

Bevor nun also Fräulein Hegemann in der schneidenden Luft der Feuilletonseiten zerrissen wird, sei die Frage nach dem „Warum“ gestattet: Schrieb sie ab, weil sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten verdecken wollte? Hat der „geklaute“ Text sie derart beeindruckt, dass sie ihn verinnerlichte und nicht mehr zwischen ihren und den Gedanken des anderen unterschied? Oder hatte sie gar eine gewisse, vielleicht unterschwellige Ehrfurcht vor dem fremden Text, dass sie sich nicht fähig sah, ihn so zu verändern, dass der Plagiatsvorwurf vielleicht noch im Raum stünde, jedoch nicht mehr wirklich haltbar wäre? Eine Ehrfurcht, die sie dazu verleitete, den Text eben nicht zu verändern, sondern in seiner „Originalität“ stehen zu lassen?

Nun, es ist wie es ist, nicht mehr zu ändern, aber vielleicht ist noch die Frage nach dem „Qui bono?“, wem nützt es, zu stellen. Fräulein Hegemann nützt es sicherlich. Ob auf lange Sicht positiv oder negativ wird sich noch herausstellen. Sicherlich nützt es aber auch dem unbekannten Autor „Airen“, den die Verlagslandschaft bisher noch nicht wahrgenommen hat, weil er vielleicht keinen medienwirksamen Verwandten hat und nicht wirtschaftlich ausgeschlachtet werden kann und sich nun des öffentlichen Interesses sicher sein kann.

Aber bitte vorher prüfen, ob er vielleicht bei den Gebrüdern Grimm geklaut hat, gell? Und wenn ja, dann bitte wenigstens mit Quellangabe versehen.

Die hätte ich in der Bibel dann aber auch gerne.

(c) Daniela Röcker 2010


Dienstag, 2. Februar 2010

Denken hilft nicht!


Intelligenz gilt in den meisten Nationen dieser Erde, und damit ist „diese“ als jene welche gemeint, da man nicht ausschließen kann, dass „irgendwo“, um diesen leider eindimensionalen Begriff zu gebrauchen, ein ähnlich gelagertes Stück Materie existiert, als höchst erstrebenswertes Ziel zum Erreichen einer höheren Bewusstseinsebene.

Dass der Weg dorthin steinig ist und von diversen Umwegen durchgekreuzt wird, wusste bereits Buddha. Warum er aber, auf dem Zenit seiner Einsicht sich nicht selbst erhängt, erschossen oder irgendeine andere suizide Form wählte, bleibt ein Rätsel. Denn die Erkenntnis, die sich einem, auf dem Weg zur intelligenten Erleuchtung, überfallsartig immer wieder präsentiert lautet: Denken hilft nicht!
Mitnichten! Nicht, wer denkt, ist klar im Vorteil, sondern, wer denkt, hat die Arschkarte gezogen. Ohne Ausnahme! Man stelle sich dazu als Beispiel willkürlich eine belanglose, alltägliche Kleinigkeit, wie den Einkauf im Supermarkt vor. Ein denkender Mensch überlegt, was im Haushalt fehlt, notiert alles auf einem sogenannten „Einkaufszettel“, arbeitet diese To-Do-Liste nach Prioritäten sortiert ab und stellt sich dann an der Kasse an, wo KEINE kurzhaarige, blondgesträhnte Mutter genervt gesichtsleer den Wocheneinkauf aufs Band wuchtet und mechanisch dem dezent brüllenden Jason-Niklas einen garantiert biologisch abbaubaren Schokoriegel in die Futterluke schiebt.
Somit würde der Einkauf logistisch perfektioniert und man hätte später am Abend Zeit, sich bei einer ayurvedischen Massage die Simpsons im Originalton anzusehen. Soweit die Planrechnung! Leider taucht in dieser Rechnung mit konstanter Regelmäßigkeit der unberechenbare Faktor X auf – bzw. der Nicht-Denker. Sollte er nicht bereits zuhause aufgetaucht sein, will heißen, dass man feststellt, dass keine Butter mehr im Haus ist und sie daher auf dem Einkaufszettel notiert, dabei aber übersieht, dass der Herzallerliebste die kaum angebrochene Packung statt in den Kühlschrank zurück an eine nicht frei einsichtbare Stelle auf dem Küchenschrank deponiert hat, dann taucht der Nicht-Denker garantiert zuerst im Parkhaus auf und trödelt unblinkend, zuviel blinkend oder unmotiviert ausscherend vor einem her, bis alle anderen Parkplätze belegt sind, um dann kurzzeitig wegzutauchen und dann an der Wursttheke wieder aufzutauchen.
Dort hält er die gesamte Warteschlange in Atem weil er sich nicht entscheiden kann, ob’s denn nun 250 g Schwartemagen sein soll oder doch lieber 850 Einheiten Blutwurst. Ach, und Fräulein, von der gehörnten Zwiebelmettwurst gebense mir doch noch’n Viertel, ach nee, wartense, doch `n Stück von dem Eisbein, aber nich’ so groß, ja…wissense mein Mann, der verträgt nich so fettich!
Hat man nun als leicht denkender Mensch einen Nicht-Denker-Zeitpuffer in seine Rechnung eingeplant, kommt an dieser Stelle nur eine latente Aggressivität auf, die man mit einem Stück Schinkenwurst kurzzeitig bekämpfen kann. Wieso bekommen eigentlich nur Kinder ein Stück Schinkenwurst angeboten? Also, wenn zu diesem Zeitpunkt noch alles im grünen Zeit-Kosten-Nutzen-Bereich liegt und man auch noch eine Kasse ohne Jason-Niklas gefunden hat, prescht mit Sicherheit in der Sekunde, in der man das erste Glas Joghurt aufs Band stellen will, der Nicht-Denker seitwärts heran und fragt, ob er „mal schnell vor könnte“, er hätte nur zwei Teile.
Natürlich lässt man ihm den Vortritt, man hat schließlich eine soziale Verantwortung als Gutmensch, um sich dann im nächsten Moment mindestens zwei Ohrfeigen zu geben, weil die Kassiererin namens Cindy nicht gemerkt hat, dass die zwei Teile des Nicht-Denkers – möglicherweise sind Cindy und er Nicht-Denker verwandt – nicht zum nachfolgenden Einkauf gehören, sondern blödblind motivationslos einen Artikel nach dem anderen über den Scanner schiebt um dann nach Frau Soundso zu schreien und „Stornoschlüssel“ zu rufen.
Selbst dieser Zeitausfall könnte noch aufgefangen werden, hätte der Nicht-Denker mit den zwei Teilen nicht erstens festgestellt, dass die Verpackung der einen Müsliverpackung defekt und er sich daher eine Ersatzpackung aus dem 800 m weiter entfernten Regal holen muss und dabei offensichtlich am Stand mit den Zeitschriften hängen bleibt, um noch kurz die „Neue Bastelwoche“ oder ähnliches mitzunehmen, sondern auch offensichtlich die Spardose seines Sohnes geleert hat, um nun seinen 5-Euro-Einkauf sorgsam mit 10- und 50-Cent-Stücken zu bezahlen. An diesem Punkt der Rechnung könnte die latente Aggressivität durchaus zu einer offenen werden.
Natürlich könnte man einwenden, dass der arme Nicht-Denker sicherlich eine schwere Kindheit hatte und man sich generell nicht über solche Kleinigkeiten aufregen soll.
Stimmt, aber man kann auch global „nichtdenken“. Das würde dann auch erklären, warum Akademikerinnen fast keine mehr Kinder bekommen. Würden sie nämlich „nichtdenken“, könnten sie sich ganz entspannt durch die Gegend vögeln und ein Kind nach dem anderen mit möglichst vielen verschiedenen Erzeugern werfen.
Bausparverträge, Lebensversicherungen, Anleihen, Wertpapiere – alles überflüssig und viel zu weit in die Zukunft gedacht. Wenn die nämlich zur Auszahlung kommen, ist Jason-Niklas erwachsen und ballert frustriert als Amok-Schütze durch den Supermarkt, in dem Sie gerade an der Kasse stehen, weil er als Kind dort immer Schokoriegel in den Mund gesteckt bekam - schwere Kindheit halt.
Wie gesagt, denken hilft nicht!
(c) Daniela Röcker 2009

Freitag, 15. Januar 2010

Momentaufnahme am Samstagabend

Stockdunkler Spätabend. Die gelangweilten bis müden Mienen der wenigen Fahrgäste spiegeln sich fade in den schmierigen, zerkratzten Fensterscheiben. Ein Samstagabend im September, 21 Uhr irgendwas in einer Regionalbahn Richtung holländische Grenze. Monoton und einschläfernd rauschen die Räder über die Schienen.

Ein verlebtes Zugabteil mit ungesunder Beleuchtung und atemberaubender Belüftung, in dem sich aufgestauter Mief aus Jahrzehnten in jede Pore der Inneneinrichtung gefressen hat. Ein Zugabteil wie tausend andere auch. Abgenutzte, von unzähligen Hinterteilen durchgesessene, verschlissene Polster. Die Farbe des Fußbodens changiert zwischen matschbraun und schleimgrün. Die Abfalleimer zugemüllt und mit diversen Ablagerungen undefinierbarer Herkunft verziert. Eine leere PET-Wasserflasche rollt auf dem Boden knirschend von einer Ecke in die andere, bis sich ein grauhaariger Rentner erbarmt und sie aufhebt. Eine zerknitterte Zeitung in russischer Sprache liegt vergessen im Gepäckhalter.

In der Sitzgruppe nebenan, schräg gegenüber, hat sich ein männliches, unschönes Individuum breit gemacht.

Seine bleiche Körpermasse belegt fast zwei Drittel der gesamten Sitzbank. Ein Secondhandmantel mit Fischgratmuster und zerrissenem Futter hängt am Garderobenhaken neben ihm am Fenster. Eine schwarze Reisetasche mit abgestoßenen Kanten findet noch schwer beengt Platz neben ihm.

Wieviel Fast-Food kann ein einzelner Mensch wohl vertragen, bis sich eine so enorme Masse auf einem Fleck ansammelt? Zuhause in seinem rostigen, verschimmelten Kühlschrank stapeln sich sicher die Hansa-Pils-Bierdosen. Zieht sich wahrscheinlich, wenn er sich auf seine speckige camelfarbene Couch, ein Erbstück der Oma, hat fallen lassen, noch sechs bis acht Liter davon rein und vegetiert dort mit leerem Blick auf die depressive Eichefurnier-Schrankwand bis zum nächsten Spätnachmittag vor sich hin. Sein Hirn kontinuierlich und konsequent über Jahre hinweg unaufhaltsam weggesoffen. Ewig verschlepptes Studium als Sozialpädagoge oder abgebrochene Lehre als Pfleger im Altenheim und danach lebenslang befristeter Aushilfsjob bei der örtlichen Drogenberatungsstelle? Ist er noch Jungfrau und masturbiert zweimal täglich oder hat er schon zahlreiche Polinnen auf seiner wackeligen 90 mal 2 Meter Bettstatt zwischen der mit diversen Körperflüssigkeiten durchtränkten, abgewetzten Bettwäsche unter sich zermalmt?

Verhornte, pilzige Füße samt dunkelgelben Fußnägeln, die Pediküre für eine sexuelle Abart halten, stecken in ehemals schwarzen, speckigen, uralten Bundeswehrstiefeln, deren rissiges Leder an manchen Stellen den Blick auf das Futter freigibt. Die fleckige, verwaschene, schwarze Hose beult an den Knien und der dicke schwarze, mit Flusen übersäte, Pullover mit dem altmodischen Zopfmuster riffelt an den Ärmeln auf.

Sind die mottenzerfressenen Klamotten vom Rot-Kreuz-LKW gefallen oder hat er den Malteser-Abfall durchwühlt? Klassischer Hartz IV-Empfänger am Rande der Konsumgesellschaft? Wie lange wird er schon arbeitslos sein? Hat er überhaupt schon einmal gearbeitet? Frißt sich bestimmt seit Jahren schon auf Steuerzahlers' Kosten durch die Gegend!

Das metallene Kassengestell, optisch galant unauffällig, dessen Flügel Druckstellen auf seiner grobporigen Nase hinterlassen, hat leicht lädiert die 80er-Jahre überlebt. Rote Flecken auf seinen Wangen und ein paar eitrige Pickel am doppelten Kinn machen die gewichtige Erscheinung nicht angenehmer. Dunkle Haare, im oberen Bereich den Blick freigebend auf die glänzende, weiße Kopfhaut, fallen ihm bis weit über die Schultern. Ungepflegt, verfilzt und am Hinterkopf sind zwei Reste Dreadlocks zu erkennen.

Eine winzige, schwarze Kappe auf dem Kopf zaubert einen Hauch „Kommune 1 – Feeling“ in sein schäbiges Äußeres, was die pelzigen Haare, die aus seinen Ohren wachsen, noch dezent unterstreichen. Seine fetten, schmalzigen Hände zerdrücken ein kleines, völlig zerfleddertes und vergilbtes Taschenbuch mit geknickten Seiten. Jedem seiner wurstartigen, weißen Finger hat er einen silbernen, fein ziselierten Ring mit schwarzem Stein aufgezwungen.

Na, wenigstens kann er lesen! Kann er oder ist es gar ein Bilderbuch?

Blick auf den Titel des Buches: „Der kleine Prinz“

….man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar…

(c) Daniela Röcker 2007

Freitag, 6. November 2009

...bitte gib' mir nur ein Wort!

Der deutschen Sprache wird gemeinhin nachgesagt, dass sie schwierig sei. Einmal abgesehen von der Grammatik ist sie das, aufgrund der mannigfaltigen Interpretationsmöglichkeiten, tatsächlich. Wie sollte also in diesem Zusammenhang die Schlagzeile „…Hund biss ohne Vorwarnung zu“ zu deuten sein? Muss der mutmaßliche Kampfhund sein ignorantes Gegenüber kurz vorher mit der Pfote anstupsen, bevor er ihm herzhaft den Unterarm zerfetzt? Oder mit einem freundlichen Knurren die darauf folgende Beißattacke ankündigen?

Zum besseren Verständnis des jeweiligen Gegenübers, das die eigene Sprache nicht spricht, kann man Ratgeber und Wörterbücher jeglicher Couleur käuflich erwerben – möglich, dass sich das noch nicht herumgesprochen hat, weil das gesprochene Wort nicht immer richtig in der entsprechenden Hirnwindung ankommt.

Lediglich bei der Auswahl des „Wörterbuches“ sollte man sich etwas Zeit nehmen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn wer glaubt, mit dem Erwerb eines Exemplars von „Frau-Deutsch/Deutsch-Frau“ o.ä. auf der sicheren Seite zu sein, wird in den meisten Fällen, in denen er seine Sprachkenntnisse testen möchte, herb enttäuscht, denn es gibt bestenfalls einen minimalen, bei weitem nicht allgemeingültigen, Grundwortschatz her. Wer sich ein wenig mit Fremdsprachen befasst, dem wird nicht entgangen sein, dass es sowohl verschiedene Dialekte in ein und demselben Land gibt, als auch die Bedeutung eines einzigen Wortes ein gravierendes Nord-Süd-Gefälle aufweisen kann.

Da scheint es fast sinnvoller auf einen tierischen Ratgeber zurückzugreifen: „Achten Sie bei ihrem Liebling darauf, ob er die Ohren anlegt oder den Kopf wegdreht. Sollte dies der Fall sein, nähern Sie sich ihm nicht mit einer dominanten Geste.“ Klare Ansage mit wertvoller, weil richtiger Aussage. Beobachten Sie also ihre Herzallerliebste genau: sollte sie die Ohren anlegen und den Kopf…na ja, jetzt wissen Sie Bescheid. Sonst ist die Beißattacke vorprogrammiert. Manchmal haben Frauen übrigens nicht nur ein kleines bisschen Haue gern, sondern auch klare verbale Ansagen – das würde diverse Blutschlachten überflüssig machen – ganz ohne Wörterbuch.

Anhand dieser Körpersprache ist es für die rhetorisch unmotivierte bzw. unfähige, männliche Fraktion nun auch möglich, die Partnerin beim Sex leichter zu verstehen. Wenn sie also den Kopf wegdreht und dabei stöhnt heißt das nicht „Ja, mach’ weiter so!“, sondern „Mein Gott, lernt der denn nie dazu?“ Sollten sie darüber hinaus auch noch ein mögliches Knurren vernehmen, ziehen sie sich sinnvollerweise sofort zurück, es sei denn, sie legen es darauf an, die Dame ihrer Begierde zu einem vorgetäuschten Orgasmus zu verleiten.

Weiblichen Singles ist jedoch dringend davon abzuraten, an der eigenen Schlafzimmertüre ein Schild mit der Aufschrift „cave canem“ anzubringen! Auch nicht, wenn das Schild noch so dekorativ aussehen und farblich exakt zur Wandfarbe des Flures passen sollte!

Was man als Frau von einem männlichen Gegenüber zu halten hat, das ein T-Shirt mit der Aufschrift „Der tut nix, der will nur spielen“ trägt und keinen Vierbeiner an seiner Seite führt, kann nur im Einzelfall und nach ausreichender Beurteilung der Sachlage entschieden werden. Allerdings kann hier auch die Beobachtungsgabe weiterhelfen – zeitgleiches Schwanzwedeln könnte als Sympathie gewertet werden.

Angesichts empirischer, männlicher Verbalausfälle möchte frau ab und an ganz gerne lautstark in das Credo Judith Holofernes einstimmen: „…wenn Du schon auf den Mund fallen musst, warum dann nicht auf meinen – oh, bitte gib’ mir nur ein Wort…!“

Muss ja nicht gerade „ficken?“ sein.

(c) Daniela Röcker 2008

Sonntag, 13. September 2009

Orgasmus unter der Dusche

Ein heißer Wasserstrahl, ein wenig Schaum und viel nackte Haut. Eigentlich sollte es nicht schwer sein, Sex als Verkaufsmagnet in der Werbung unterzubringen. Manchmal fragt man sich jedoch, warum der Gedanke an Sex die Hirne der verantwortlichen Marketingexperten so sehr vernebelt, dass dabei äußerst fragwürdige und mitnichten sexy Werbespots dabei heraus kommen.

Ein heißer Wasserstrahl, ein wenig Schaum und viel nackte Haut. Die junge Dame unter der Dusche schäumt sich den Kopf mit Shampoo ein und scheint dabei einen Orgasmus nach dem anderen zu haben. Der vermutlich männliche Gedanke an einen Orgasmus unter der Dusche ist nicht bahnbrechend originell, aber die Werbewirksamkeit dahinter, nämlich dass ein Shampoo einen Orgasmus verursachen könnte und damit die weibliche Klientel zu Heerscharen in die Drogerien treiben würde, scheint auf den ersten Blick gar nicht falsch zu sein. Leider nur auf den ersten Blick.

Natürlich weiß jede Frau, dass man die sensiblen Rezeptoren auf den Haarfollikeln schon krebsrot massieren müsste, um sie so sehr anzuregen, dass dabei ein minimaler Orgasmus herausspringt. Und dass ein Shampoo dabei hilfreich sein könnte, scheint gänzlich absurd.

Wie kommt die Dame unter der Dusche also zu ihrem Orgasmus, wenn das Shampoo per Logik ausscheidet?

Die clevere Frau sucht systematisch den unteren Bildrand nach einem verräterischen Kopf- oder Haaransatz ab, der unabsichtlich in die Kamera geraten ist. Ähnlich wie die schlabberige Jogginghose unter dem Schreibtisch, der, oberhalb desselben, korrekt gekleideten Moderatorin. Irgendwo muss der Kerl doch versteckt sein, der es der duschenden Dame bauchnabelabwärts besorgt!

Leider bleibt die Suche nach ihm erfolglos und lässt die Frage nach dem „wie“ erfolgreich zurück.

Als nächstes könnte ein Blick in das Gesicht der Frau Licht ins Dunkel bringen. Und richtig, hier liegt der Hund begraben. Die Dame lächelt nämlich äußerst entspannt. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass es sich hier um einen vorgetäuschten Orgasmus handeln muss!

Bei einem wirklichen Orgasmus konzentriert frau sich derart stark, dass sich alle Gesichtsmuskeln zusammenziehen. Ein eher angestrengter Ausdruck ist die Folge, kombiniert mit der gedanklichen Panik, dass der Kerl über oder unter ihr sich plötzlich zu einem spontanen Stellungswechsel animiert fühlen könnte und damit die mühevolle Vorarbeit beim Teufel wäre. Ein etwaiges Lächeln gerät in diesem Zustand höchstens schief oder verkniffen, aber keinesfalls so entspannt, wie die Dame uns Glauben machen will.

Ein weiteres Indiz für den vorgetäuschten Orgasmus liefert der Ton. Die entspannte, adrett eingeschäumte Dame stößt kleine, spitze Jauchzer aus.

Ich bitte Sie! Haben Sie jemals beim Orgasmus gejauchzt? Doch wohl höchstens über die Tatsache, dass der Typ über Ihnen endlich mit seinem eintönigen Gerutsche fertig ist, aber doch nicht vor Lust. Diese entspannten Jauchzer sind typisch für „Juhu, diese Jeans hat letzte Woche noch 15 € mehr gekostet“ oder „Super, die nervige Chefsekretärin ist schwanger und wird nach der Entbindung nicht zurückkehren“.

Also, alles gelogen. Die typische Orgasmuslüge eben.

Ärgerlich! Denn ich hätte dieses Shampoo gerne einmal ausprobiert.

Vielleicht hätte es ja auch „sso sschön geprickelt in meine Bauchnabbell“.

(c) Daniela Röcker 2007

Dienstag, 7. Juli 2009

36° und es wird noch heißer...

36°C zeigt das Thermometer im Schatten an einem sonnigen Samstagnachmittag in Downtown. Die gefühlte Temperatur liegt locker um 65°C und lässt die Innenstadt zu einem gut gefüllten Backofen für Weihnachtsplätzchen werden.

Diese olfaktorische Vorstellung wäre zu schön, würde sie nicht von einem unappetitlichen Konglomerat unzähliger Ausdünstungen der Menschenmassen, die sich durch die Fußgängerzone schieben, völlig überlagert. Da macht es Sinn, sich schnellstmöglich an einen schattigen Ort mit halbwegs frischer Luft zu verziehen, von dem man einen guten Blick auf die endlose Karawane der Shoppingfetischisten hat und dabei den Genuss des geeisten Kaffees, nicht iced coffee, eines unabhängigen Kaffeehauses zu zelebrieren. Bis zu dem Zeitpunkt an dem das eigene Schlürfen von einem anderen Geräusch übertönt wird.

Ein fast identisches Geräusch, welches Jabba the Hut macht, wenn er seinen fetten, schleimigen Körper hin und her wuchtet. Das Geräusch von laufenden Füßen in Flip-Flops!

Einer der besten Beweise dafür, was ein einziges Modediktat anrichten kann. Würde sie nicht irgendein pfiffiger Marketing-Verführer mit diesem hippen Namen versehen haben und sie in unzähligen Variationen in China oder Taiwan produziert haben, wären sie nicht aus Mamas Sammlung der 70er-Jahre-Peinlichkeiten auferstanden. Dann würden sie noch Gummilatschen heißen, es gäbe sie in blau oder rot oder schlimmstenfalls mit Plastikblume und niemand würde sich trauen, sie außerhalb der Badeanstalt oder nach Ende des Italien-Urlaubs zu tragen. Gummilatschen haben eine eher kurze Lebenserwartung. Das ist so ein bisschen wie mit den Rasta-Zöpfchen, zu denen man sich manche Zeitgenossin im zweiwöchigen-all-in-Dom.Rep.-Urlaub gefühlsduselig und sonnenstichgefährdet überreden lässt. Sobald der Alltag wieder eingekehrt ist, sind die Zöpfe, die vorher schon peinlich waren, nur noch oberpeinlich.

Frauen sind im Allgemeinen recht leidensfähig, was das Outfit anbelangt, weshalb sich erklärt, warum High-Heels immer in der Top-Ten der Musthaves stehen. Es erklärt aber nicht, warum man bei gefühlten 78°C im Schatten die Füße in dünne Riemchen auf 10-cm-Absätze stecken muss. Ich meine, so ein Shoppingtrip dauert schließlich ein paar Lichtjahre und Blasenpflaster und Gel-Einlagen sind auch irgendwann ausverkauft.

Meine erste Theorie ist, dass einige Schuhhersteller, mutmaßlich solche, die mit wenig, vorzugsweise billigem Material schlecht sitzende Schuhe herstellen, deren Kaufpreis zwischen dem einer Pendelhubstichsäge vom Discounter und einer fettigen Pizzazunge einer Backwaren-Kette liegt, eine Allianz mit Starbucks, Balzac, o.ä. eingegangen sind. Und dass Starbucks-Filialen strategisch gut in Fußgängerzonen platziert werden, damit die behighheelte Dame bei einem vanilla flavoured grande caffee latte, nicht bei einem großen mit Vanillearoma versehenen Milchkaffee, die schmerzenden Füße vergessen kann, um sich nach einem kleinen Break, nicht Pause, das nächste Billig-Paar Schuhe zuzulegen.

Meine zweite Theorie ist die, dass Frauen, die High-Heels tragen, zu faul sind, mit dem Arsch zu wackeln, was sie mir in gewisser Weise fast sympathisch macht. High-Heels sind in aller Regel, und auch außerhalb derselben, dazu da, den visuell gesteuerten Herren der Schöpfung, durch den rhythmisch zuckenden, unteren Teil der Körpermitte, Fortpflanzungsbereitschaft zu signalisieren. Die Physik der High-Heels sorgt dafür, dass man sich für diesen Hüftschwung nicht anstrengen muss, der kommt von alleine. Was mich dabei ein wenig nachdenklich stimmt, dass Frauen jenseits der Menopause ebenfalls High-Heels tragen. Allerdings nicht die Billig-Ausführung, sondern das exorbitant hochpreisigere italienische Modell. Was womöglich daran liegt, dass diese Frauen keinen flavoured coffee bei Starbucks trinken, sondern eine Saeco Incanto zu Hause haben, dies aber nicht zwingend von Vorteil ist, weil italienische Schuhe eine ähnliche Eigenschaft wie italienische Elektrogeräte haben: schönes Design, miese Technik und schlampige Ausführung.

Aber zurück zu den Flip-Flops, bei denen sich mir immer zwei Fragen stellen: Muss man sich irgendetwas zwischen die Zehen stecken, um auf einer platten Sohle laufen zu können? Braucht man sie als Alibi, um die Füße beim Gehen nicht anheben zu müssen, bzw. sind sie womöglich ein stiller, später Aufstand gegen die eigenen Eltern, deren regelmäßiger Ausspruch „Nun, heb’ doch mal die Füße und schlurf’ nicht so, der Teppich nutzt sich sonst so schnell ab!“ einen zu bestimmten Zeiten zur Weißglut trieb?

Vielleicht hab’ ich auch einfach eine Abneigung gegen Flip-Flops, weil ich normalerweise zu schnell für diese Art „Schuhe“ laufe. Meiner Erfahrung nach, kann man in diesen Tretern nur schlurfen, schlendern und müßig den Tag verplempern. Mag im Urlaub in Ordnung sein, aber im überzüchteten, schnelllebigen Alltag?

Na ja, vielleicht kommt ja bald jemand auf die glorreiche Idee, sie wieder „Gummilatschen“ zu nennen und dann wär’ das Thema vom Tisch, der schmatzende, schleimige Jabba weg aus meinem Kopf und dieser Typ da vorne, Marke männlicher Komplett-Flopper in Flip-Flops verschwände endlich aus meinem Blickfeld. Kann ich bitte noch einen geeisten Kaffee mit entrahmter Milch ohne irgendein Aroma, im Mitnahme-Becher ohne meinen Namen darauf, aus einem unabhängigen Kaffeehaus ohne Logo bekommen? Das wär’ nett.

(c) Daniela Röcker 2007

Sonntag, 28. Dezember 2008

Zoo bis Alex in 20 Minuten...

Tief vergraben sind die Bilder. Verschwommen und Schwarzweiß. Eine graue, schier endlose, unglaublich hässliche Mauer. Davor ein Metallgerüst mit Treppe, die auf ein Podest führt. Jeder Schritt, der die Treppe erklimmt, macht neugierig und schürt Erwartungen. Oben angekommen breitet sich augenblicklich fürchterliche Enttäuschung aus und Tristesse überzieht die Köpfe der Mitreisenden mit einem faden Schleier. Mutlosigkeit, weil man nur weit am Horizont Leben erkennt. Dazwischen ein Vakuum, das man Todesstreifen nennt.

Zurück im westlichen Komfort des Reisebusses läuft das Pflichtprogramm pflichtgemäß routiniert an mir vorbei. Ein gelangweilter Blick auf die Inschrift „Dem Deutschen Volke“, ein letzter Blick auf die leblose Betontrübseligkeit und bereits zwei Stunden später verschwimmen die Bilder, setzen sich am Boden irgendeiner Gehirnwindung fest. Unauslöschlich, jederzeit präsent.

Ungefähr fünfzehn Jahre später begegnen wir uns wieder. Vorsichtig. Neugierig. Wie ist es Dir ergangen? Viel erlebt hast Du in der Zwischenzeit, genau wie ich. Sieht man Dir die Zeichen der Zeit an?

Ein stummer Schrei strömt mir durch Mark und Bein. Was hat man Dir angetan? Wo ist Deine Seele? Überall klaffende Wunden. Riesig und unüberschaubar. Nur wenige Fleckchen sind geblieben, an denen ich Dich wieder erkenne. Nirgendwo möchte ich mich niederlassen, um Dir zuzuhören. Du warst verwundet, ja, aber brauchst Du deshalb ein völlig neues Gesicht? Das obligatorische Pflichtprogramm gerät zur Farce. Verwirrt, enttäuscht, bedrückt nehme ich Abschied. Mit einer ungewissen Angst im Nacken, was wird aus Dir?

Weitere sieben Jahre später, 2006, sehen wir uns erneut wieder. Mit gemischten Gefühlen trete ich heraus aus dem Bahnhof Zoologischer Garten. Ein strahlender Morgen. Hier hat sich nichts verändert. Emsige Betriebsamkeit, lautes Leben und stille Momentaufnahmen. Christiane F. ist schon lange erwachsen. Sanft der Wind in den Arkaden des Ku’damms. Koko von Knebel heißt die neueste Kreation von Udo Walz. Vorsichtige Blicke in die Nebenstraßen und Plätze. Nein, hier ist die Zeit stehen geblieben.

Die Zeit heilt Wunden, auch Deine? Mein erster Halt am Potsdamer Platz lässt mich hoffen und staunen. Symbiose aus Holz, Stahl, Glas und Beton – Fassaden so glatt, dass man sie am liebsten streicheln möchte. Architektur, die nach Zukunft riecht und Spaß verspricht.

Umstrittenes Stelenfeld – ein angestoßener Stein bringt Geschichte ins Rollen. Eine Seite beklemmend, die andere integriert. Das Stasi-Museum fördert Skurriles zutage, über das ein Wessie nur schmunzeln kann. Sprachlos der Anblick der vielen Postsendungen, die einbehalten wurden. Ohnmächtige Wut darüber, wie viele Einzelschicksale so nutzlos beeinflusst wurden. Wie lächerlich sind dagegen die Ost-Kopien amerikanischer und japanischer Produkte in der Ausstellungsvitrine. Produktpiraterie in Kinderschuhen.

Mauererinnerungen am Checkpoint-Charlie. You are leaving the american sector. Groteske Pantomime vor dem Brandenburger Tor. Capuccino im Adlon. Verstaubtes Preußen in Charlottenburg und Potsdam. Unter den Linden liegt ein Penner auf einer Parkbank. Leiser Regen fällt auf die Gold-Else. Das Kanzleramt kühlt die Luft vor Sachlichkeit. Klinisch reiner Beton für heiße Debatten. Spatzen auf dem Gendarmenmarkt lauschen belustigt einer französischen Schülergruppe. Im Palast versiegen alle Tränen. Der Turm des Roten Rathauses verhüllt wie bei Christo. Von hier bis Los Angeles 9684 km. Erichs Lampenladen bröckelt. Nein, zurückgebaut wird er, heißt es auf dem Transparent davor.

Nina Hagen in der Sonnenallee. Ein Händler verkauft auch sonntags Wasserpfeifen, an der nächsten Ecke telefoniert eine Berliner Göre lässig an eine Hauswand gelehnt. Am Bahnhof Friedrichstraße finde ich die Punks vom Bahnhof Zoo wieder. Samt Sicherheitsnadeln und Ratte. Welches Klischee? Die Quartiers zwischen Friedrichstraße und Oranienburger Straße lassen nur Hardcore-Shopping oder konsequente Abstinenz zu.

Das bunte Treiben bei den Hackeschen Höfen ist hausgemacht und dauert vierundzwanzig Stunden lang. U-Bahn Richtung Neukölln überfüllt. Unterschiede zwischen Einheimischen und Touristen verschwimmen. Pittoreskes Idyll im Nicolai-Viertel. Geschichtlich wenig ergiebig, touristisch voll erschlossen. Ick weeß zu ville, sagte Zille. Konserviertes „Milljöh“ ohne Seele.

Vom „Alex“ keine Spur, nur Bauzäune, Staub, zerbrochener Beton und „Inner City Blues“. Kein Platz zum Luftholen. Wo ist die Berliner Luft? Und plötzlich ist sie da. Ganz unvermittelt und laut. „Na, det is ja `n Ding, wa?“ Ein kleiner Satz nur, mit zentnerschwerem Gewicht, das pure Leichtigkeit vermittelt.

Dein Gesicht hast Du wieder, runderneuert und doch sind die tiefen Falten geblieben. Verbogen hast Du Dich, aber nicht verleugnet. Ein paar Schrammen sind noch vorhanden, aber die heilen auch noch.

Bis bald.

(c) Daniela Röcker 2005

Mittwoch, 28. Mai 2008

Germany’s Next Topmodel – Casting bald im Kindergarten?

„Was möchtest Du denn einmal werden?“, fragt die Erzieherin die 5-jährige Samantha-Chantal aus der „Zuckerschnecken-Gruppe“ abends um 20 Uhr 30 in der neu errichteten 24-Stunden-Kita „Superstars“ in Hannover.

„Germany’s Next Topmodel“, antwortet die kleine, stupsnasige Speckbacke treuherzig und deutet auf den 42-Zoll-Plasma-Fernseher, mit dem alle neuen Kitas auf Anraten Ursula von der Leyens ausgestattet wurden, damit einerseits die Kleinen sich wie zuhause fühlen und andererseits die Personalkosten für zusätzliche Erzieherinnen eingespart werden. In Hannover wurde dafür extra die Puppenecke geopfert.

Laut behördlicher Anordnung sollte eigentlich die Sesamstraße laufen, aber da die Bedienungsanleitung nur auf polnisch vorhanden ist, die polnische Erzieherin aber als Erntehelferin ihr mickriges Gehalt aufbessert, berieselt man die Kinder mit dem, was der Astra-Satellit gerade hergibt – „Germany’s Next Topmodel“.

Die letzten Mädels bangen bibbernd im Bikini vor der Entscheidung, die ihr Leben verändern soll. Reich und berühmt wollen sie werden. Alle. Aber nur eine von ihnen wird „Germany’s Next Topmodel“. Und darf sich damit in der Reihe der namenlosen Hungerhaken, die sich durch die Betten abgehalfterter Designer wühlen, ganz vorne einreihen.

Lassen wir uns ein wenig berieseln und hören der hochkarätigen Jury bei ihrer Entscheidungsfindung zu:

Heidi K: „Nur eine von Euch kann ‚Germany’s Next Topmodel’ werden. Ihr seid toll, ihr seht wunderschön aus, aber nur eine von Euch kann ‚Germany’s Next Topmodel’ werden. Ihr seid toll, ihr seht wunderschön aus, aber nur eine von Euch kann ‚Germany’s Next Topmodel’ werden. Ihr seid…“

Bruce D: „Stopp! Ich bin noch nischt ganz übergezeugt. Isch will sehen wie ihr läuft. Gra-zi-ös und sexy will isch sehen. Sexy, sexy, sexy. Los!“

Peyman A: „ Du da, die Dritte von rechts, kannst Du Deine linke Titte bitte etwas hochheben? Die Symmetrie stimmt sonst nicht. Und du, Lisa, Laura, oder wie Du heißt, hast Du schon mal Sex im Auto gehabt?“

Kandidatin Lisa, Laura, oder wie auch immer sie heißt: „Nein, noch nie.“

Peyman A: „Gut, melde Dich nach der Show bei mir, ich erkläre Dir dann, wie es geht.“

Kandidatin Lisa, Laura,…: „Oh, super, Du bist immer so nett zu uns. Dankeschön. Tausend Dank.“

Heidi K: „Mädels, ihr seid toll, ihr seht wunderschön aus, aber ein Topmodel muss nicht nur schön sein, sondern sie muss auch andere Werte haben. Hier habe ich ein Zentimetermaß, damit werde ich nun Eure Werte kontrollieren.“

Kandidatin X: „Also ich bin ja der Meinung, dass auch die inneren Werte zählen, nicht nur die äußerlichen!“

Bruce D: „Du spinnst wohl! Du bist rrrrraus, Honey! Geh’ putzen.“

Kandidatin Y: „Das find’ ich jetzt aber ganz schön ungerecht. Bei uns in der Uckermark sind die Mädchen obenrum vielleicht nicht so aufgepolstert, aber sie sind richtig doll politisch engagiert. Und darin liegt der Mehrwert!“

Peyman A: „Heißt Du tatsächlich Angie? Ossi, wie? Ich nenn’ Dich ab jetzt Mandy, ist einfacher. Sag’ dem Visagisten, er soll beim nächsten Shoot Deine Augenringe als smokey eyes betonen.“

Kandidatin Z: „Alaaf, isch bin et Funkemarieschen us Köln un isch wollt nur ens kurz ma unser Heidi, dat lecker Mädsche, bützen.“

Heidi K: „Ich bin aber aus Bergisch Gladbach, Du doofe Nuss. Ich habe hier ein Foto für die Gewinnerin des letzten Fotoshoots. Lalala. Ich habe EIN Foto, nicht zwei, nicht drei. Lalala. Ich habe hier ein Foto, ein Foto, ein Foto für….“

Bruce D.: „Schluss damit! Her mit dem Foto. Es ist mir völlisch egal, wör das Foto bekömmt, Hauptsacke sie ist sexy. Isch will Ausdruck, isch will sehen, dass ihr aus Eusch herauskommt. I want to see you sexy! Ist das klar?“

Alle Kandidatinnen: „Ja, Bruce, wir lieben Dich. Lasse Dein Angesicht leuchten über uns…“

Peyman A: „Du, mit den schwarzen Haaren, da in der zweiten Reihe. Komm’ doch mal näher! Du hast mir am besten gefallen: super Sexappeal, super Figur und eine tolle Ausstrahlung. Du bist meine Favoritin. Bruce, was meinst Du?“

Bruce D.: „Geiler Arsch, Baby. Ein bisschen zu dünn, aber waaaaahnsinnisch sexy!“

Heidi K.: „Jungs, ich muss weg. Hab’ gerade meinen Eisprung – die Familienplanung ruft.“

Unbekanntes Jurymitglied mischt sich ein: „Du siehst echt hammerhart aus! Du triffst die Töne und kommst total geil rüber. Wenn ich jetzt ein Hund wäre, würde ich mit dem Schwanz wedeln.“

Bruce D: „Yeah, isch finde, Du hast absolut das Zeug zum Topmodel. Du bist supper, Du hast eine Waaahnsinnsausstrahlung. Isch liebe Disch! Für misch bist Du ‚Germany’s Next Tapmaddel’.“

Peyman A: „Super, ich denke, wir haben unser neues Popp- äh Topmodel gefunden. Herzlichen Glückwunsch, Süße, Du bist ‚Germany’s next topmodel’. Wie heißt Du eigentlich?“

Popp-, äh Top-Kandidatin: „Bill Kaulitz“

(c) Daniela Röcker 2008